Falkenkamera

Das Heizkraftwerk Römerbrücke – ein Zuhause für Wanderfalken

Im Jahr 1993 wurde im Zuge der Kaminsanierung des Kraftwerkes Römerbrücke eine Nisthilfe für Wanderfalken installiert. Sie befindet sich ungefähr auf halber Höhe des Kamins (67 m) und ist von der Ostspange aus gut zu sehen.

Der Blick ins Wohnzimmer

Seit 2015 können Vogelliebhaber mit unserer Kamera einen Blick in die „Gute Stube“ des Wanderfalken werfen. Wir wünschen viel Spaß.

Ein Tagebuch zur Brutsaison 2016/2017 ist weiter unten zu finden.

Nisthilfe am Schornstein des Heizkraftwerks Römerbrücke
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Die Nisthilfe – gelebter Tierschutz

Das künstliche Nest aus Edelstahl bietet dem Wanderfalken Schutz vor Wind und Regen, sowie beste Sicht-, Start- und Landebedingungen.
Sowohl die Anbringung der Nisthilfe als auch die Beleuchtung des Schornsteins wurde in enger Abstimmung mit den Experten des Naturschutzbundes durchgeführt. So kann sichergestellt werden, dass das Nist- und Brutverhalten der seltenen Vögel optimal unterstützt wird.
Energie SaarLorLux unterstützt mit der Nisthilfe die Ansiedelung der unter strengem Artenschutz stehenden Wanderfalken im Saarland. Denn wir nehmen unsere Verantwortung für die Natur ernst.

Der Wanderfalke

Der Wanderfalke ist in Deutschland der größte Falke. Er wird bis zu 45 cm groß, wobei die Weibchen in der Regel deutlich größer sind als die Männchen. Er ist der schnellste Vogel der Welt.

Der Wanderfalke stand in Deutschland kurz vor dem Aussterben. Erst in den 90er Jahren begann sich der Bestand langsam  zu erholen. Der Wanderfalke gehört heute – wie alle heimischen Greifvögel –  zu den streng geschützten Arten.

Wanderfalken sind standorttreu und bleiben das ganze Jahr in ihrem Revier. Viele Jungvögel ziehen häufig im ersten Jahr weg (z.B. in Richtung Südfrankreich), um ihrem ersten Winter zu entgehen. Im Frühjahr kehren sie zurück und suchen sich ein eigenes Revier.

An der Römerbrücke ist schon seit Jahren ein Wanderfalkenpaar heimisch. Fiel ein Partner aus, war immer gleich ein neuer zur Stelle. So haben schon einige Generationen ihr Leben bei Energie Saarlorlux verbracht.

Jungvögel gab es in den vergangenen Jahren selten, aus bislang ungeklärten Ursachen. Aber heuer hat wieder einmal geklappt. Der Kasten ist mit zwei Jungvögeln besetzt.

 

Tagebuch der Wanderfalkenfamilie an der Römerbrücke

04. November 2017

Waren nach der erfolgreichen Brut im Frühjahr Heinz und Hilde lange Zeit in der Umgebung unterwegs und selten im Kasten zu sehen, so sind sie seit einigen Tagen sehr oft einzeln oder zusammen zu beobachten. Vieles gleicht jetzt dem Verhalten im Frühjahr, das Ziel ist jedoch ein anderes. Die Frühjahrsbalz dient der Einstimmung auf das kommende Brutgeschehen und der Vorbereitung von Paarung und Eiablage. Nun im Herbst will man sich durch die (hier sehr intensive) Balz seiner Zusammengehörigkeit versichern und Heinz zeigt seine Zuneigung und seinen Willen, im nächsten Jahr ein verlässlicher Partner zu sein. Hilde ist emsig im Kasten, prüft schon mal die Nisthilfe und die Unterlage, sitzt Probe und tut alles, was zur Balz dazu gehört – außer Eier legen – auch wenn es manchmal fast danach aussieht. In einigen Tagen wird dieses Verhalten wieder abklingen, um in 2 Monaten, Ende Januar wieder aufzublühen als Auftakt der hoffentlich erfolgreichen Brutsaison 2018.

17. Juni 2017

Auch in den Folgetagen sind immer wieder Jungvögel im Kasten zu Besuch.

14. Juni 2017

Um 6:40 erscheint einer der Jungvögel (Weibchen) für eine Stunde im Kasten und fliegt gekonnt wieder ab. Gegen 11:20 Uhr kommt sie wieder, sucht Futter, sonnt sich und wird schließlich gegen 13 Uhr von „Heinz“ kurz gefüttert. Viel ist nicht da, und „Heinz“ fliegt auch gleich wieder weg. Von 13:30 bis 14:15 ist dann auch der kleine Bruder im Kasten zu Besuch, was zeigt, dass es beiden gut geht und sie den Erststart gemeistert haben. Bis gegen 20:30 ist immer eines der beiden Jungen im Kasten zu sehen; teils in der Sonne dösend, teil mit Gefiederpflege beschäftigt oder beim Durchsuchen des Kastens nach fressbaren Resten.

13. Juni 2017

Kurz vor 9 Uhr kommt „Heinz“ mit einer erbeuteten Taube und ist völlig außer Atem. Er legt sie ab, fliegt wieder weg und die Taube bleibt unbeachtet am Kastenrand zurück. Gegen 14:50 kommen beide Altvögel. „Heinz“ zeigt „Hilde“ seinen Fang; sie nimmt ihn, fängt an zu rupfen und trägt ihn kurz nach 15 Uhr weg, um wahrscheinlich die Kleinen damit zu füttern. Von 17 bis 20 Uhr ruht „Heinz“ sich von der anstrengenden Tätigkeit aus. Immer wieder fallen ihm die Augen zu.

12. Juni 2017

Heute war der große Tag. Beide Jungfalken sind vom Horst abgeflogen. Um 15:28 startet der kleine Terzel und kurz danach, um 15:51, fliegt auch seine Schwester davon. Am Abend kommt „Heinz“ noch zwei Mal,  durchsucht den Horstboden nach Futterresten und ruht sich eine zeitlang von den sicher heftig bettelnden Jungen aus. Was die Jungen nun außerhalb so treiben, ist leider mit der Kamera nicht mehr zu verfolgen.

10. Juni 2017

Die Zeit ist reif. Die 42 Tage sind rum, und die Jungen sollen jetzt raus. Beide sitzen den ganzen Tag am Rand  des Kastens und schauen dahin, wo sie nach der Vorstellung ihrer Eltern fliegen sollen. Mit viel Geflatter wird der Start geübt; aber dann verlässt sie letztendlich der Mut. Ganz früh morgens war „Hilde“ nochmal kurz da. Futter hatte sie aber keines dabei. Und dabei blieb es dann auch den ganzen Tag. Der Hunger wird die treibende Kraft sein, das Nest zu verlassen. Gegen 21 Uhr hat eines der Jungen das alte Ei gefressen, damit was in den Schnabel kommt. Viel war es nicht, hat auch nur für einen gereicht.

02. Juni 2017

Die weißen Daunenfederchen werden immer weniger; am ehesten finden sie sich noch auf dem Kopf. Die Kleinen sind nun 33 Tage alt und fast ausgewachsen. So um den 40. Tag werden sie ausfliegen – die einen etwas früher, die anderen später. Die männlichen Jungen sind zumeist die ersten, die es in die weite Welt zieht. Bei den Kleinen von Heinz und Hilde handelt es sich wohl um ein kleineres Männchen und ein größeres Weibchen. An der Größe kann man in der Regel die Geschlechter erkennen, was aber hier wegen der etwas die Proportionen verzerrenden Optik der Kamera etwas schwierig ist.

Gefüttert wird nur noch 3-4 Mal am Tag, vor dem Abflug eher noch weniger – einmal damit die Kleinen beim Abflug nicht zu schwer sind, und zum anderen: Hunger ist der beste Antrieb, den Horst zu verlassen und sich seinen Flugkünsten anzuvertrauen. Oft locken auch die Eltern mit Futter von einer Warte aus.

24. Mai 2017

„Auswandern“ nennt man das, was die kleinen Falken seit heute tun. Der Nestbereich wird zu eng, und die Neugierde auf das, was sich außerhalb befindet, wird so groß, dass die Spaziergänge nun aus dem Horstbereich herausführen. Im natürlichen Felshabitat können sich die Ausflüge über das ganze Felsband erstrecken oder auch über den gesamten Felskopf, wenn dieser zu Fuss erreichbar ist. Die Auswahl an Ausflugszielen hier am Kamin ist allerdings eher bescheiden, beschränkt sie sich doch auf die beiden seitlichen Roste. Dennoch kann einem bange werden, wenn man die Kleinen so herumturnen sieht. Aber Schwindel ist ihnen fremd, und so gelangen sie auch stets zielsicher wieder zurück – spätestens, wenn Hilde oder Heinz mit der nächsten Mahlzeit vorbeikommen.

Im Wissen, dass man irgendwann fliegen wird oder muss, üben die Jungfalken nun auch schon desöfteren für den großen Abflug. Die Flügelmuskulatur wird  trainiert  – erstmal durch Flattern auf der Stelle.

Nach getaner Arbeit ist aber immer wieder Dösen und Schlafen angesagt – ein guter Teil des Tages ist der Ruhe und dem Warten aufs Fressen gewidmet.

15. Mai 2017

„Wir sind dann mal weg“ heißt es nun desöfteren am Tage, wenn sich die Kleinen in den vorderen, nicht einsehbaren Teil des Kastens zurückziehen. Sobald aber die Altvögel irgendwann mit Futter landen, sind sie sofort zur Stelle. Zweieinhalb Wochen sind sie nun alt und brauchen viel Kraft um täglich an Größe zuzulegen. Mit drei Wochen brechen jetzt die Flügel- und Schwanzfedern  durch und die jungen Federkiele sehen  zwischen den weißen Daunen wie kleine graue Säume aus.
Auch für „Heinz“ und „Hilde“ ist es eine anstrengende Zeit. Um dem Nachwuchs täglich 5-6 Mahlzeiten anbieten zu können, müssen sie fleißig  jagen. Und so sieht man sie hin und wieder  für ein kleines Nickerchen mit geschlossenen Augen im Kasten verweilen.

Für die beiden Eier interessiert sich keiner mehr.

10. Mai 2017

Inzwischen sind die Jungen so groß, dass sie nicht mehr dauernd gehudert und gewärmt werden müssen. Sie passen auch nicht mehr unter die Fittiche von Hilde, ganz zu schweigen von Heinz. Auch die beiden Resteier finden kaum mehr Beachtung. Ob sie irgendwann gefressen werden oder einfach liegen bleiben, kann man nicht vorhersagen. Bald werden Heinz und Hilde nur noch zur Fütterung vorbeikommen, und diese werden auch zahlenmäßig zurückgehen. Die Portionen werden größer, aber dafür seltener.

06. Mai 2017

Eine Woche sind die beiden Küken nun alt und müssen sich Hildes Fittiche immer noch mit den beiden Resteiern teilen; denn noch decken Heinz und Hilde die Eier mit ab. Dass aus diesen Eiern noch ein Küken schlüpft, kann man eigentlich jetzt ausschließen. In den nächsten Tagen werde die Kleinen zunehmend längere Zeit alleine bleiben können, und die Eltern werden dann auch das Interesse an den beiden Eiern verlieren. Was dann damit geschieht, ist abzuwarten.

02. Mai 2017

Nachdem am 29. April das 2.Küken geschlüpft war, ist es bislang bei den beiden geblieben. Zwischen 6 und 21 Uhr wurden die beiden heute 9 Mal von Hilde gefüttert.

28. April 2017

Heute morgen war es endlich soweit. das erste Küken ist da!

26. April 2017

Noch konnte man heute gegen Mittag die 4 Eier des Geleges sehen; noch ist kein Küken da, obwohl es von der Brutdauer her inzwischen soweit sein müsste. Aber es gibt viele Faktoren, die diese Zeitspanne verlängern können. Daher heißt es erstmal noch abwarten.

19. April 2017

Drei bis vier Tage dauert es voraussichtlich noch, bis die ersten Küken ihr Ei verlassen werden. Von den Temperaturen her ist das derzeit nicht der beste Start ins Leben; aber Hilde wird mit ihrer Körperwärme dafür sorgen, dass unter ihren Fittichen ein gutes Kinderstubenklima herrschen wird. Die von Heinz angebotene  Ablösung auf dem Gelege wird sie nun desöfteren ablehen, und  sie wird Heinz nur noch kurze Aufenthalte auf dem Gelege zugestehen. In den letzten Bruttagen will sie alleine die Kontrolle über das Geschehen haben.

26. März 2017

Nun sind es doch 4 Eier geworden. Am heutigen Sonntag konnte man am Nachmittag erstmals das 4-er Gelege sehen, als Hilde und Heinz kurze Zeit abwesend waren. Wahrscheinlich wird sich nun in den nächsten 3-4 Wochen nichts sonderlich tun, außer dass Hilde brütet und dabei immer wieder von Heinz abgelöst wird. Über Termine kann man nun auch spekulieren: Brutbeginn war mit dem 3. Ei am 23. März, dann könnte das erste Küken so um den 20. April schlüpfen – falls nichts Unvorhergesehenes passiert.

19. März 2017
Das erste Ei ist da! Die meiste Zeit ist Hilde nun im Horst. Sehr interessiert schaut auch Heinz immer wieder vorbei, und beide üben schon mal Probesitzen auf dem Gelege. Bis es vollständig (3-4 Eier) ist, wird es noch etwa eine Woche dauern – je nachdem wieviele Eier Hilde legen wird. Das Bedecken der Eier durch die beiden hat vorerst noch nichts mit Brüten zu tun. Es schadet den Eiern auch nicht, wenn sie auskühlen, solange der eigentliche Brutvorgang nicht begonnen hat. Und der beginnt mit dem vorletzten Ei. Wenn Hilde 4 Eier legen will, dann wird sie ab dem dritten Ei fest auf dem Gelege sitzen und brüten – zwischendurch abgelöst von Heinz, damit sie sich auch mal „die Füße vertreten “ und etwas fressen kann. Nach dem letzten Ei dauert es dann etwa 30 Tage, bis mit dem  Schlupf des ersten Kükens gerechnet werden kann.

11. März 2017
Wo bleibt das neue Gelege?“ fragen einige besorgte Beobachter des Treibens im Kasten am Kamin. Letztes Jahr um diese Zeit waren 4 Eier vorhanden, und die Brut hatte schon begonnen. Und dieses Jahr? Heinz und Hilde sind täglich abwechselnd – gelegentlich auch zusammen – im Kasten; aber von Eiern ist noch nichts zu sehen. Noch ist das Zeitfenster offen; aber bis zum 20. müsste schon etwas vom Gelege zu sehen sein. In den ersten Tagen bleiben die Eier unbedeckt; erst ab dem vorletzten Ei – d.h. in der Regel ab dem dritten –  wird Hilde mit dem Brüten beginnen. Da heißt es im Augenblick einfach mal noch abwarten. Ganz auszuschließen ist es auch nicht, dass im Sichtschutz der Seitenabdeckung schon ein Ei liegt – das war in den Jahren zuvor auch so. Aber  Hildes Verhalten spricht im Augenblick noch nicht dafür.

05. Februar 2017
Beide Partner halten sich derzeit immer wieder im Kasten auf. Heutebrachte „Heinz“ seiner „Hilde“ einen kleinen Vogel als Brautgeschenk. Sie verputzte ihn gleich an Ort und Stelle. Derweil schob „Heinz“ schon mal im hinteren Teil des Kasten eine Mulde im neuen Kies.

Weitere Fragen an: info@agw-saar.de

Rückschau auf das Tagebuch 2016

Wer mehr über Wanderfalken wissen möchte findet einiges über Suchmaschinen im Internet oder in der Literatur, bspw:

W. Fischer, „Der Wanderfalk“, Neue Brehmbücherei, 2004
M. Geib, „42 Tage Nestlingszeit, Entwicklungsstadien junger Wanderfalken“, Eigenverlag, 2010
Th. Mebs, „Greifvögel Europas“, Kosmos Verlag, 2014
D. Rockenbauch, „Der Wanderfalke in Deutschland“, Band 1 und 2, Hölzinger Verlag 1998