Zum Inhalt Zum Hauptmenü

Der Wanderfalke: Das schnellste Tier der Welt

Der Wanderfalke ist mit einer Größe von bis zu 45 Zentimetern der größte Falke in Deutschland. Die Spitzengeschwindigkeit von nahezu 320 km/h ist er außerdem das schnellste Lebewesen auf unserem Planeten. In Deutschland stand der Vogel kurz vor dem Aussterben – seit den 90er-Jahren erholt sich der Bestand aber langsam. Heute zählt er zu den streng geschützten Arten.

Trotz seines Namens zieht der Wanderfalke für die Überwinterung nicht in den Süden. Zwar wandern häufig die Jungtiere im ersten Jahr weg, um dem Winter zu entgehen, sobald sie dann jedoch im Frühjahr zurückkommen, bleiben sie ihrem Revier treu. 

Zuhause für Wanderfalken an der Römerbrücke

Seit 1993 haben Wanderfalken ein Zuhause bei Energie SaarLorLux. Am Kamin des Heizkraftwerks Römerbrücke haben wir in einer Höhe von 67 Metern eine Nisthilfe installiert. Diese besteht aus Edelstahl und bietet den Vögeln Schutz vor Wind und Wetter sowie beste Sicht-, Start- und Landebedingungen. Natürlich erfolgte die Anbringung des künstlichen Nests – ebenso wie die Installation der Beleuchtung des Kamins – in enger Abstimmung mit Experten des Naturschutzbundes, um sicherzustellen, dass wir damit sowohl das Nist- als auch das Brutverhalten optimal unterstützen.

Wanderfalken live: unsere Falkenkamera

2015 brachten wir eine Kamera an, mit welcher Sie die Vögel rund um die Uhr beobachten können. Bereits seit vielen Jahren nistet ein Wanderfalkenpaar bei uns an der Römerbrücke. Unsere Kunden nennen sie liebevoll „Hilde“ und „Heinz“ – auch wenn wir natürlich nicht sicher sagen können, die wievielte Generation mittlerweile ihr Zuhause bei uns gefunden hat.

Tagebuch der Wanderfalken an der Römerbrücke

Seit nunmehr 6 Jahren führen die Experten des NABU für alle Vogelliebhaber und -interessierten ein Tagebuch über unsere Wanderfalkenfamilie. Hier finden Sie alle Einträge im Überblick.

22. Juli 2021

Immer wieder sind Hilde und Heinz, einzeln oder zusammen, im Kasten zu sehen. Jungvögel kommen keine vorbei. Was aus den beiden verbliebenen geworden ist, kann man nicht sagen. Wie jedes Jahr sind sie, sobald sie ausgeflogen sind, der Beobachtung entzogen. Man sieht Hilde und Heinz gelegentlich in Balzhaltung, um sich ihrer Zusammengehörigkeit auch über die Brutphase hinaus zu versichern.

Dem Nesthäkchen in der Auffangstation geht es dem Vernehmen nach gut; was sein weiteres Schicksal sein wird, ist derzeit noch nicht abzusehen.

So neigt sich die Brutsaison 2021 der Saarbrücker Wanderfalken langsam dem Ende zu, und wir hoffen darauf, dass sie den Herbst und Winter gut überstehen und 2022 wieder zur Brut schreiten.

6. Juli 2021

Am 4. Juli sucht von 10 bis 13 Uhr einer der Altvögel im Kasten Schutz vor dem Regen. Am Nachmittag von 15-19 Uhr sind beide zusammen im Kasten. Auch in diesen 4 Stunden taucht kein bettelnder Jungvogel auf. Tags darauf zeigen die Aufzeichnungen den ganzen Tag über keine Besuche im Kasten.

Von der Auffangstation in Blieskastel, wo sich das Nesthäkchen befindet, kam die Nachricht, dass es ihm besser geht, es wieder frisst und auch schon versucht, den verletzten Fuß vorsichtig zu belasten.

Heute gab es lediglich über Mittag einen kurzen Besuch von Heinz.

2. Juli 2021

Auch am 30.6. und am 1.7. beschränken sich die Besuche im Kasten auf Anwesenheiten von Heinz. Hilde ist bislang noch nicht zurückgekehrt.

Heute ist Heinz ab 13 Uhr im Kasten, und gegen 17 Uhr erscheint nun auch erstmals wieder Hilde. Beide halten sich ruhend im Kasten oder auf den Seitenrosten auf; Heinz streicht gegen 20 Uhr, Hilde eine Stunde später ab. 

Von den beiden ausgeflogenen Jungen ist am Kasten nichts mehr zu sehen. Daher kann man über deren Verbleib und Wohlergehen keine Aussage machen.

29. Juni 2021 

Gegen Mittag des 28. Juni holt Heinz den gestern deponierten Kleinvogel wieder ab. Am Nachmittag sitzt er mehrfach für längere Zeit im Kasten und fliegt gegen 19 Uhr endgültig weg. Am 29. Juni kommt er erst gegen Abend, bleibt bis etwa 22:45 Uhr und startet dann in die Dunkelheit.

Das verschwundene kranke junge Weibchen wurde nicht mehr aufgefunden. Es ist unwahrscheinlich, dass es noch am Leben ist. Es gingen einige Sichtungsmeldungen ein; aber es handelte sich dann doch um andere Greifvögel (Turmfalken, Sperber).

27. Juni 2021

Frühmorgens bringt Heinz einen frisch erbeuteten Kleinvogel. Nachdem der keine Jungen mehr vorfindet legt er ihn im Kasten ab, verweilt noch etwa eine halbe Stunde und fliegt dann weg. Vom 4. Jungfalken fehlt weiterhin jede Spur. Im weiteren Tagesverlauf ist im Kasten nichts mehr zu sehen, soweit es die Aufzeichnung, die derzeit alle 5 Minuten ein Bild produziert, zeigt.

26. Juni 2021

Es wird seit gestern abgewogen, ob es Sinn macht, zu versuchen, den 4. Jungvogel einzufangen, oder ob man ihn, den die Eltern möglicherweise bereits aufgegeben haben, dort oben belässt, da er ohnehin nicht mehr lange leben wird, und der Natur ihren Lauf lässt. Letztlich startet der Tierschutz dann doch einen Versuch, den Vogel einzufangen. Die die Aktion unterstützende Feuerwehr schickt einen Kletterer auf den sehr mühsamen Weg nach oben. Die Kamera ist während der Aktion ausgeschaltet. Der Mitarbeiter der Feuerwehr erreicht das Weibchen nicht, es springt vorher ab. Nach einer Zwischenlandung im Kraftwerk torkelt es in Richtung Ostspange und geht dort irgendwo zu Boden. Lange suchen die Tierretter und die Feuerwehr mithilfe einer Drohne nach dem Falken; aber die Suche misslingt. Der Vogel bleibt verschollen. Um halb vier kommt dann doch Hilde noch einmal vorbei mit frischer Beute und findet keine Jungen mehr vor; sie blickt länger in die Gegend, dann frisst sie selbst ausgiebig, sie bleibt fast eine Stunde lang. Danach kommt sie noch 4 mal vorbei, ruft  und sucht das Junge. Von den 4 Jungen ist wohl nur der kleine Terzel übrig geblieben. Hinzugezogene weitere Fachleute rätseln, warum die Jungen überhaupt so lange nicht abgeflogen sind; mit ein wahrscheinlicher Grund ist wohl eine Schädigung durch die extreme Hitze in der Zeit des regulären Abflugs.

25. Juni 2021

Frühmorgens durchsuchen beide Jungfalken die Beutereste im Kasten durch, versuchen aber nicht, zu fressen. Das Nesthäkchen sitzt an der Kante und hält Ausschau, die Schwester daneben, wie immer mit geschlossenen Augen. Vielleicht hat sie eine Augenkrankheit. Um hab 12 sitzen beide wieder vorne, das Nesthäkchen flattert, verliert die Balance und stürzt ab. Die Schwester bleibt alleine zurück, Altvögel kommen nicht mehr. Mit geschlossenen Augen sitzt sie an verschiedenen Stellen des Kastens. Um 21:30 bringt Hilde einen Futterrest verweilt noch etwas und fliegt dann ab. Fressen will das junge Weibchen aber nicht. Die Alten scheinen es aufgegeben zu haben. Ruhig verbringt sie die Nacht. Indes wird bald nach dem Absturz das Nesthäkchen an der Ostspangenbrücke auf einem Pfeilervorsprung gesehen. Das Kraftwerk und der Tiernotruf werden verständigt, um es einzufangen. Es ist schwer, an das Tier heranzukommen, und bei dem Versuch es zu fangen, fliegt es weg, zurück Richtung Kraftwerk. Dort wir es am Boden gefunden und aufgenommen. Der Tierarzt stellt eine Aufprallverletzung fest, einen Hinweis auf eine befürchtete Infektion bestätigt sich nicht; aber das Tier ist völlig abgemagert, trotz ausreichender Fütterung durch Hilde. Es wird medikamentös versorgt und kommt vorläufig in Pflege. Es frisst jedoch nicht.

24. Juni 2021

Das Verhalten der Jungfalken stellt eine völlig ungewöhnliche Situation dar. In der Nacht zum Mittwoch haben wieder alle 3 im Horst übernachtet. Die Nr. 3 ist um 9 Uhr weggeflogen. Das Nesthäkchen und seine Schwester sind dageblieben. Zu essen gab es nichts; erst um 16 Uhr kam Hilde, hat ganz kurz gefüttert und den Rest wieder mitgenommen. Um 20:30 kommt sie mit frischer Beute und füttert die beiden wieder. Das Nesthäkchen schnappt sich die Beute und verzieht sich in eine Ecke, wo es „mantelt“, d.h. seine Flügel um die Beute breitet, um sie zu verteidigen. Hilde lässt die Beute da, und beide fressen sich satt. Über Nacht sind beide alleine im Horst. Es regnet.

Am Donnerstagmorgen sind beide vom nächtlich Starkregen nass geworden. Sie sitzen vorne am Kasten und schauen in die Gegend. Kurz vor 8 kommt Hilde und verfüttert den gestrigen Rest. Danach sitzen beide ruhig an verschiedenen Stellen im Kasten, die große Schwester hat oft lange Zeit die Augen zu oder liegt in der Ecke und schläft. Aber auch das Nesthäkchen ist nicht agil, obwohl die Hitze vorbei ist. Keiner trainiert noch die Flügel. Möglicherweise sind die beiden nicht gesund.

Kurz nach 6 wachen die beiden auf, weil Hilde vorbeikommt. Sie wird angebettelt und fliegt gleich wieder weg. Heinz ist seit Tagen nicht zu sehen. Gegen 9 kommt Hilde wieder mit frischer Beute. Die beiden lassen sich füttern, und sie lässt ihnen die Beute da. Ab und an beschäftigen sie sich damit, aber ohne sichtbaren Hunger. Zu Mittag kommt Hilde vorbei und füttert wieder. Mit 45 Tagen sollten die beiden allmählich ausfliegen. Aber durch die Hitze ist alles anders. Wo die Nr. 4 ist und wie es ihr geht, ist ungewiss. Vielleicht kümmert sich Heinz darum.

20. Juni 2021

Um 15 Uhr sieht es aus, als wolle einer der beiden starten. Aber es kommt anders. Um 16 Uhr sind sie wieder zu dritt. Gemeinschaftlich und ohne Neid vertilgen sie die herumliegenden Futterreste. Dann sitzen sie vorne auf der Kante und schauen zusammen in den Abend. Die Nr. 3 bleibt über Nacht.

19. Juni 2021

2 Junge haben im Kasten übernachtet. Sie sitzen beide vorne am Kastenrand und halten Ausschau. Um 9:30 bringt Hilde eine frische, ganze Taube und füttert Die Jungen scheinen aber nicht besonders hungrig. Einige Bissen verfüttert Hilde, dann nimmt sie den Rest wieder mit. Das Futter ist die einzige Flüssigkeit, die die Falken im Horst aufnehmen können. Einen Getränkeservice gibt es nicht. Um kurz vor 13 Uhr legt Hilde Beute ab; die Jungen haben aber kein Interesse, es ist zu heiß. Entweder sitzen sie vorne und schauen in die Gegend, oder sie liegen dösend im Schatten. Das Nesthäkchen zupft sich die letzten Daunen aus dem Gefieder.

Um 17:30 kommt Hilde, nimmt die noch unangetastete Beute und füttert die beiden. Bis zum Schlafen gehen, so gegen 22 Uhr, sind sie ziemlich umtriebig im Kasten unterwegs.

18. Juni 2021

Die Hitze macht den Jungen schwer zu schaffen; eigentlich müssten sie im Kasten umherspringen und mit den Flügeln schlagen, um diese zu trainieren. Aber bei den hohen Temperaturen liegen die jungen Falken fast den ganzen Tag irgendwo dösend im Schatten. Die Situation, wer wann ausgeflogen ist, wird ziemlich unübersichtlich. Um 8:32 bringt Hilde etwas Futter, und wird gierig von ihren 4 Kindern umringt. Als sie wegfliegt, folgt ihr ein Junges, und es sind wieder 3 im Kasten.

Um 15:30 startet ein weiterer Jungfalke; nun sind noch 2 im Horst. Es ist heiß, sie schlafen fast den ganzen Tag.

17. Juni 2021

Heute Morgen, kurz vor 6, waren es wieder 4. Das ausgeflogene Geschwisterchen ist nochmal zurückgekommen. Ein Zeichen, dass es den Abflug gut überstanden hat. Es ist den ganzen Tag über da geblieben und hat auch in „Mamas Hotel“ übernachtet; allerdings hatte das Restaurant heute geschlossen Es gab nichts.

15. Juni 2021

Heute hat es der erste Jungfalke geschafft. Um die Mittagszeit waren noch alle im Kasten, und gegen 15:30 ist einer nach 40 Tagen abgeflogen. Die anderen 3 haben es vorgezogen, erstmal die 42 Tage abzuwarten.

12. Juni 2021

Heute sind es 37 Tage her, dass das erste Küken geschlüpft ist; für das Nesthäkchen sind es 32. Für die drei großen wird es nun bald Zeit; noch 5 Tage bis zum regulären Ausfliegen. Kleine Terzel fliegen sogar manchmal etwas früher.

Auch beim Kleinsten fallen nun die letzten Dunenfedern aus, und er wird so braun wie die Geschwister. Im Gegensatz zu den Altvögeln sind die Jungen auf dem Rücken und am Kopf braun, und an der Brust sind sie braun getropft und nicht schwarz-weiß gesperbert wie die Alten. Das hat seinen Sinn. Man nennt dieses Gefieder der Jungen „Toleranzkleid“, was sagen soll, dass Jungfalken so eine Art Welpenschutz genießen. Am Gefieder erkennen die Alten, dass es (noch) keine Revierkonkurrenten, sondern harmlose Jungfalken sind. Sie greifen sie nicht an und vertreiben sie nicht.

Es sieht aus, als wären die Jungen ganz gespannt auf den ersten Ausflug. Lange Zeit sitzen sie vorne am Rand oder auf den Seitenrosten und betrachten sehnsüchtig, was sie in ein paar Tagen erwartet. Aber zum ersten Abflug braucht es dann doch viel Mut.

Die Mahlzeiten sind seltener geworden; es wird kaum noch gefüttert, sondern der Nachwuchs muss mit der ungerupften Beute selber fertig werden. Die Tischsitten werden rauer, und der Horst ist übersät mit den Federresten der Mahlzeiten. Teilen war gestern. Die 4 haben einen ganz ordentlichen Appetit, was Hilde und Heinz mitunter „ins Schwitzen“ bringt. Die beiden Altvögel wirken im Horst richtig klein gegen dem aufgeplusterten, zudringlichen Jungvolk. Auch sie merken, dass es nun bald an der Zeit für den Abflug ist. In diesen Tagen sind sie sehr nervös.

6. Juni 2021

Völlig verwandelt sind nun die Jungfalken. Die braunen Federn brechen überall durch, die Flügel sind schon weit entwickelt, und die weißen Dunen werden täglich weniger. Allein das Nesthäkchen ist noch fast weiß, hat aber in den letzten Tagen so an Größe zugelegt, dass es den Geschwistern nicht mehr nachsteht. Betrachtet man alle vier nebeneinander, so kann man erkennen, dass drei davon recht groß sind und eines von den älteren kleiner geblieben ist. In diesem Alter lässt sich das Geschlecht in der Regel an der Größe festmachen. Und so kann man mittlerweile sagen, dass es sich um drei (große) Mädchen und einen (kleineren) Jungen handelt. Wenn Hilde oder Heinz zum füttern kommen, sehen sie oft ganz klein zwischen dem aufgeplusterten Jungvolk aus.

Auch die Beweglichkeit, die Neugier und der Drang mal woanders hinzugehen, nehmen täglich zu. So ist mehrmals am Tage der Nachwuchs auf den seitlichen Gittern unterwegs. Vom Zuschauen kann einem Bange werden, aber Jungfalken sind absolut schwindelfrei und kommen immer wieder sicher in die Kastenmitte zurück. Gefährlich kann es bei Sturm werden; da ist es schon immer mal wieder passiert, dass anderenorts Jungvögel von einer Windböe erfasst wurden und abgestürzt sind. Hoffen wir, dass heuer hier alles gut geht. In gut zwei Wochen werden sie hoffentlich ihre ersten Flugrunden drehen.

31. Mai 2021

Nun sieht man die Federansätze schon recht deutlich; ab und an fängt der eine oder die andere schon mal an zu flattern, eingedenk dessen, wozu diese Flügelfedern wachsen. Inzwischen können fast alle richtig auf den Fußspitzen stehen und liegen nicht mehr auf den ganzen Füßen; sie werden nun immer kräftiger; das merkt man auch am Appetit. Vorbei sind die Zeiten, wo ein Kleinvogel für alle eine Mahlzeit ergab. Nun muss die Beute schon Staren- oder Taubengröße haben. Jetzt, wo die Kleinen problemlos alleine gelassen werden können, geht Hilde mit auf die Jagd. Aufgrund ihrer Größe kann sie größere Beute machen, die für alle reicht. Zum Trinken müssen Heinz und Hilde nichts bringen. Die Jungfalken stillen ihren kompletten Flüssigkeitsbedarf aus der Nahrung.

Am Samstag hat Hilde erstmals den Jungen die Beute zur Selbstbedienung überlassen. Es kam aber nicht besonders gut an; der Nachwuchs hat dann doch lieber aufs gefüttert werden gewartet.

26. Mai 2021

„Wir sind dann mal weg“  heißt es ab jetzt öfters, und es sind zeitweise nicht mehr alle Jungfalken oder auch gar keine mehr zu sehen. Während bei den Felsbrütern sich in diesem Alter die Jungen aufmachen, den Fels zu erkunden, sind unsere vier auf die Ausmaße ihrer Nisthilfe angewiesen. Die maximale Ausflugsdistanz reicht hier nur bis zum andern Ende des Kastens; aber dort sind sie dann auch nicht mehr zu sehen, da die Kamera diesen Teil nicht erfasst. Also keine Sorge, wenn der Kasten zwischenzeitlich leer aussieht oder Jungfalken „fehlen“.  Zur nächsten Mahlzeit sind sie wieder da.

Mit knapp 3 Wochen fangen nun auch die Flügel- und Schwanzfedern an zu sprießen, was man an den grauen Schatten auf der Seite zwischen dem grauen Flaum erkennen kann. Bald fangen die Dunen an auszufallen und weichen mehr und mehr dem Jugendgefieder. 

Noch ist das Nesthäkchen kleiner als seine Geschwister, was aber wahrscheinlich daran liegt, dass es ein Männchen ist, während die drei anderen die großen Schwestern sind. Mit 3 Wochen lassen sich die Größenunterschiede zwischen den Geschwistern erkennen. Die Jungs sind die kleineren.

Gut 3 Wochen haben die Jungen noch vor sich bis zum großen Abflug. Eine Zeit, in der sich noch viel entwickelt; aber auch noch viel passieren kann. Hoffen wir das Beste!

24. Juni 2021

Das Verhalten der Jungfalken stellt eine völlig ungewöhnliche Situation dar. In der Nacht zum Mittwoch haben wieder alle 3 im Horst übernachtet. Die Nr. 3 ist um 9 Uhr weggeflogen. Das Nesthäkchen und seine Schwester sind dageblieben. Zu essen gab es nichts; erst um 16 Uhr kam Hilde, hat ganz kurz gefüttert und den Rest wieder mitgenommen. Um 20:30 kommt sie mit frischer Beute und füttert die beiden wieder. Das Nesthäkchen schnappt sich die Beute und verzieht sich in eine Ecke, wo es „mantelt“, d.h. seine Flügel um die Beute breitet, um sie zu verteidigen. Hilde lässt die Beute da, und beide fressen sich satt. Über Nacht sind beide alleine im Horst. Es regnet.

Am Donnerstagmorgen sind beide vom nächtlich Starkregen nass geworden. Sie sitzen vorne am Kasten und schauen in die Gegend. Kurz vor 8 kommt Hilde und verfüttert den gestrigen Rest. Danach sitzen beide ruhig an verschiedenen Stellen im Kasten, die große Schwester hat oft lange Zeit die Augen zu oder liegt in der Ecke und schläft. Aber auch das Nesthäkchen ist nicht agil, obwohl die Hitze vorbei ist. Keiner trainiert noch die Flügel. Möglicherweise sind die beiden nicht gesund.

20. Mai 2021

Was 4 Tage ausmachen! Obwohl das Wetter sich nicht gerade von seiner besten Seite zeigt, ist es mit dem ständig gehudert werden vorbei. Nur in Ausnahmefällen versucht Hilde noch die Schar unter die Flügel zu bekommen, was immer schlechter gelingt, so groß sind die kleinen geworden. Nachts jedoch wird sie noch eine Zeitlang bei den Jungen bleiben. Seit heute beginnen die Jungfalken auch, den Kasten zu erkunden. Waren sie bis vor 2 Tagen in Abwesenheit von Hilde immer eng zusammengeschmiegt, um warm zu bleiben, so liegen sie nun oft flach nebeneinander um bis zur nächsten Mahlzeit zu dösen. Ihr Sehvermögen ist jetzt auch so weit entwickelt, dass sie Einzelheiten im Kasten wahrnehmen können und sie sich für ihre Umgebung interessieren. 

Auch wenn sich eines von der Gruppe entfernt, um seiner angeborenen Neugier nachzugehen – sobald Hilde Futter bringt, sind alle wieder zusammen und recken sich bettelnd mit dem Schnabel der Mama entgegen; wer nicht bettelt bekommt nichts. Inzwischen ist das weiße Dunenkleid, mit dem sie auf die Welt gekommen sind, einem robusteren, etwas mehr grau gefärbten gewichen.

Bald werden Hilde und Heinz nur noch zum Füttern kommen. Die Zahl der Mahlzeiten geht zurück; dafür werden die Portionen größer. Hilde wird sich – sobald die Mauser abklingt - auch an der Futtersuche beteiligen, um die beträchtlichen Mengen für 4 kleine Falken beizubringen.

16. Mai 2021

Nun sind die Kleinen schon fast eine Woche alt, und alle sind sie wohlauf, auch das Nesthäkchen. Sie werden regelmäßig von Hilde gefüttert, und Heinz bringt das Futter bei. Erwartungsvoll und diszipliniert recken sie, eng aneinander geschmiegt, die Köpfchen der Mutter entgegen, um einen Happen zu erhaschen. Oft ist eines verdeckt, und man kann nur 3 Küken erkennen. Die Bissen, die die Kleinen abnehmen und schlucken können, sind noch ausgesucht und klein; die hautigen Reste, die Knorpel und die Füße frisst Hilde selbst. Zwischen den Mahlzeiten heißt es ständig hudern, da das Wetter doch recht kühl und nass ist. Noch können die Küken nicht längere Zeit alleine bleiben. Um alle vier unter sich zu versammeln, muss sich Hilde schon strecken und die Flügel etwas ausbreiten. Ganz vorsichtig muss sie ihre Füße mit den spitzen Krallen dazwischen schieben, um die Kleinen nicht zu verletzen.

 11. Mai 2021

Auch am Montagmorgen liegt das Restei noch zwischen 3 bettelnden Küken. Hilde achtet aber darauf, dass es nicht kalt wird und schiebt es immer zusammen mit dem Nachwuchs unter ihre Fittiche. Um halb 8 berichtet der saarländische Hörfunk live vom Horst über Hilde und Heinz mit ihrem 3-köpfigen Nachwuchs.

Um 15:45 sieht man, dass sich dem Ei etwas tut; es ist nicht mehr glatt und rund. Eine Stunde später liegt es in 2 Hälften neben Hilde. Küken Nr. 4 ist auf die Welt gekommen. Um 16:50 wird gefüttert; aber Hilde gibt nur den Blick auf 3 Kleine frei; auch um 18:25 ist es noch nicht ganz eindeutig, dass der Schlupf geklappt hat.

Erst am Dienstagmorgen gibt es Gewissheit. Hilde ist nun stolze Mutter von 4 Jungen und füttert den Nachwuchs alle 2 Stunden mit dem, was Heinz ihr zuträgt. Noch sind es kleine Mengen, die Hilde vorsichtig in die Schnäbelchen stopft. Aber wenn die Jungen Anfang Juni größer sind, dann werden beide ganz schön zu tun haben, um den Nachwuchs satt zu bekommen.

Aber so weit ist es noch nicht. Eine große Sorge ist es derzeit, die Jungen warm und vor allem trocken zu halten, damit nicht noch einmal so etwas passieret wie vor 2 Jahren, als alle Jungen durchnässt erfroren sind.

9. Mai 2021

Um 6:30 bei der Fütterung strecken sich 3 Köpfchen hoch, um einen Happen zu bekommen. Das 4. Ei ist nicht zu sehen. Heinz zerteilt die Beute und beginnt die Schnäbelchen zu stopfen, Hilde kommt dazu und übernimmt das. Dann wird wieder gehudert. Um 11:25 betteln die 3 Küken Hilde an; das Restei liegt vor ihnen. Um 13:30 sieht man sie alle 3 schlafend im Horst liegen. Gegen 14:40 fliegt Hilde weg und Heinz übernimmt das Hudern. Noch sind die Kleinen so winzig, dass der kleinere  Heinz sie gut bedecken kann; aber das wird nicht so bleiben. 

8. Mai 2021

Um 6 Uhr geht’s mit den Mahlzeiten weiter. Es sieht aus, als wäre in der Nacht ein 3. Küken dazu gekommen. Aber je nachdem, wie die Kleinen sitzen oder liegen sieht es einmal nach 2 Küken und 2 Eiern und ein anderes Mal wieder nach 3 Küken und 1 Ei oder 1 Eischale aus. Hilde und Heinz hudern ihre Kleinen den ganzen Tag, damit sie nicht auskühlen und geben den Blick immer nur bei den kurzen Fütterungspausen frei.

7. Mai 2021

Heute war es endlich soweit. Es sind die erste beiden Küken geschlüpft. Um kurz nach 8 lagen bereits 2 Eischalenhälften neben Hilde; ein Zeichen, dass das erste Küken da ist. Kurze Zeit später, um 9:40 war das 2. Ei geöffnet und das geschlupfte Küken lag noch ganz nass neben seinem Geschwister. Um 11:40 bringt Heinz einen Kleinvogel als erstes Futter für die Kleinen. Um 14:30, 17:30 und um 18:40 wird wieder gefüttert und um 21 Uhr zum letzten Mal. 

6. Mai 2021
Allmählich wird es Zeit im Horst. Die normale Brutzeit von 28 Tagen ist seit 4 Tagen überschritten, und es gibt derzeit keine unmittelbaren Anzeichen für einen bevorstehenden Schlupf. Heute Morgen löste auch Heinz seine Frau wieder längere Zeit beim Brutgeschäft ab, was direkt vor dem Schlüpfen ungewöhnlich ist. Aber noch besteht Hoffnung, dass in den nächsten Tagen noch etwas aus dem Gelege wird. Die Hoffnung darf man noch nicht aufgeben.

28. April 2021
Allmählich neigt sich die Brutzeit dem Ende zu. Der Schupf sollte so um den 3. Mai beginnen. Je näher der Schlupfzeitpunkt rückt, desto aufgeregter werden die Altvögel, und Hilde wird jetzt mehr und mehr das Brutgeschäft alleine übernehmen; Heinz wird sie nur noch für kurze Zeit ablösen. Zu diesem Zeitpunkt hat Hilde schon Hörkontakt zu ihren Jungen. 

Die Küken, die sich inzwischen im Ei in eine optimale Lage gedreht haben, werden sich mit ihrem „Eizahn“, einer Erhebung auf dem Oberschnabel, aus der Eischale befreien. Hilde wird ihnen dabei nicht helfen. Sie brauchen gleich sehr viel Wärme, die sie unter den Fittichen von Hilde finden, mit denen sie die Kleinen bedeckt, sie „hudert“. Nur an den dann herum liegenden Eischalen wird man den Schlupf feststellen können. – Warten wir es ab!

22. April 2021
Die Brutzeit geht weiter ohne Störungen voran; auch das Wetter ist zwar nachts recht kühl, aber nicht extrem, und heftige Regenschauer bleiben derzeit aus, sodass Hilde und Heinz die Eier rund um die Uhr gut warmhalten können. 

Wenn man das Brüten genau beobachtet, merkt man, dass sich Hilde und Heinz, je nachdem wer gerade brütet, in bestimmten Zeitabständen über dem Gelege um 90 bis 180 Grad drehen, um dann in anderer Ausrichtung das Brüten fortzusetzen; dabei haben sie aber den Kasteneingang immer im Blick. 

Die großen Federn, die im Kasten liegen, stammen von Hilde, die die Zeit des Brütens genutzt hat, um ihre Frühjahrsmauser hinter sich zu bringen. In dieser Zeit kann sie nicht so gut fliegen – muss sie ja auch nicht, wenn sie auf den Eiern sitzt.

17. April 2021
Die Hälfte der Brutzeit haben Heinz und Hilde nun hinter sich. Beide Eltern teilen sich das Brutgeschäft, wobei aber Hilde den Löwenanteil der Zeit auf den Eiern verbringt. Heinz übernimmt derzeit das Brüten etwa 2-4 Stunden am Tag. Wie sich der Prozentsatz der Zeitanteile von Weibchen und Männchen aufteilt, ist von Brutpaar zu Brutpaar verschieden. Es gab auch schon Bruten, wo „er“ weit über die Hälfte der Zeit auf den Eiern saß.
Beide Falken haben nun auf der unteren Seite einen sogenannten „Brutfleck“, der besonders stark durchblutet ist und wo sogar Federn ausgefallen sind, damit die Eier direkten Kontakt mit der warmen Haut bekommen. Damit die Eier gleichmäßig warm bleiben, werden sie alle ein bis zwei Stunden gewendet.

5. April 2021
Heute um 12 Uhr war das Gelege komplett. Waren es am frühen Morgen noch 3 Eier, so sah man beim Wechsel zwischen Heinz und Hilde kurzzeitig die 4 Eier in der Mulde liegen. Ist es für Hilde ein Leichtes, so muss sich Heinz schon anstrengen, bei seiner Körpergröße die Eier so zu bedecken, dass sie nicht kalt werden. Insbesondere bei dem Kälteeinbruch nach Ostern.

2. April 2021
Am Vormittag des 31. März folgte das 2. Ei. Um 8:50 gibt Hilde zum ersten Mal die Sicht auf das 2-er Gelege frei. 2 Tage später, am 2. April, liegen am Mittag 3 Eier in der Mulde. Jetzt beginnt die eigentliche Brut; und Heinz und Hilde werden nun fast 30 Tage auf den Eiern sitzen, bis die Kleinen schlüpfen. Die Hauptarbeit wird bei Hilde liegen; aber Heinz hat ja auch schon jahrelange Erfahrung mit dem Brutgeschäft und wird seinen Teil dazu beitragen.

28. März 2021
Heute Morgen war es so weit. In den frühen Morgenstunden hat Hilde ihr erstes Ei für dieses Jahr gelegt. Noch wird nicht gebrütet; dies erfolgt erst mit der Ablage des vorletzten Eies. Aber warm gehalten wird es schon. Hilde und Heinz bedecken es abwechselnd den ganzen Tag und die Nacht.

27. März 2021
Hilde arbeitet gelegentlich an der Mulde, setzt sich schon mal kurz rein; aber nach ernsthaften Brutabsichten sieht es noch nicht aus. Dabei wird es langsam Zeit. Bis Ende März sind in der Regel die Gelege fertig und die Bruten beginnen. 2019 fand die Eiablage ebenfalls vergleichsweise spät statt. Zwischen dem 22. und dem 28. März wurden die 4 Eier gelegt. Heute verbringen Hilde und Heinz den ganzen Tag mit emsigem und ausdauerndem Probesitzen in der ausgewählten Mulde. Oft sieht es aus, als wären sie schon am Brüten. Aber die Mulde ist noch leer.

22. März 2021
Am 18. März konnte man beide bei der Balz im Kasten beobachten. Mit geducktem Kopf standen sie einige Zeit wie in einem Ritual gegenüber. Die charakteristischen Laute, die dabei zu hören sind, überträgt die Kamera allerdings nicht. Die Besuche im Kasten sind jetzt häufiger und länger. An den fast stets gefüllten Kröpfen der beiden Altvögel kann man sehen, dass es ihnen an Nahrung nicht mangelt.

16. März 2021
Bis zum 13. März war es wieder sehr still. Am 14. März inspizierten beide den eingestreuten Kies und interessierten sich für die Mulde am hinteren Ende der Plattform. Und dabei saß Hilde 3 Stunden in und neben dem ausgesuchten Platz. Und heute war der Kasten die meiste Zeit von Heinz oder von Hilde besetzt,

9. März 2021
In den ersten Märztagen waren kaum Horstbesuche zu verzeichnen; lediglich Heinz hielt sich dann und wann kurz auf der Nistplattform auf. Heute jedoch verbrachte er von 12 bis 16 Uhr 4 Stunden am Nistplatz, allerdings war er die ganze Zeit alleine.

26. Februar 2021
Heute Nachmittag hat Hilde den abgelegten Star gefressen. Heinz und Hilde sind zwar fast täglich mehrere Male kurz im Kasten; aber konkrete Hinweise auf eine Brut gibt es noch keine. 2018 waren beide sehr früh dran mit der Eiablage. Am 25. Februar lag das erste Ei im Nest und die weiteren folgten bei eisigen Temperaturen.

22. Februar 2021
In den frühen Morgenstunden hat Heinz seiner Hilde einen erbeuteten Star als Geschenk vorbeigebracht und auf dem Gitter für "den kleinen Hunger" deponiert. Allerdings hat sich bei Hilde der Appetit darauf noch nicht eingestellt. Einen Tag vorher lag dort ein toter Singvogel; der wurde inzwischen verspeist. Die fast tägliche Balz der beiden lässt für die beginnende Saison hoffen.

17. Februar 2021
Seit Beginn des Monats ist fast täglich mehrere Male ein Wanderfalke im Kasten zu sehen. Aber es ist immer Heinz. Allmählich müsste auch Hilde mal wieder auftauchen.

28. Januar 2021
Hilde und Heinz waren heute beide zur Balz im Kasten - trotz Schnee

17. Januar 2021
heute hat Hilde trotz Schnee den Kasten aufgesucht und kurz dort verweilt.

9. Januar 2021
Heute waren beide Falken im Kasten um zu balzen. Die Verpaarung erscheint noch die gleiche wie 2020. Das lässt hoffen.

Weitere Fragen an: info@agw-saar.de

Wer mehr über Wanderfalken wissen möchte, findet einiges über Suchmaschinen im Internet oder in der Literatur, z.B.:

W. Fischer, „Der Wanderfalk“, Neue Brehmbücherei, 2004
M. Geib, „42 Tage Nestlingszeit, Entwicklungsstadien junger Wanderfalken“, Eigenverlag, 2010
Th. Mebs, „Greifvögel Europas“, Kosmos Verlag, 2014
D. Rockenbauch, „Der Wanderfalke in Deutschland“, Band 1 und 2, Hölzinger Verlag 199